Jod – Gut für die Schilddrüse oder Gift aus dem Supermarkt?

Jod - Schilddrüse

Ohne Jod geht bei der Schilddrüse nicht so viel. Denn das Spurenelement ist ein für den Körper lebensnotwendiger Stoff und unabdingbar zur Bildung von Schilddrüsenhormonen. Fehlt Jod, kann es für die Schilddrüse in zwei Richtungen gehen: Sie kann eine Unterfunktion entwickeln, sie kann sich auch vergrößern.

Das trägt den formschönen Fachbegriff Kropf. Es gibt nicht viele Lebensmittel, die viel Jod enthalten. Generell ist Deutschland ein Jodmangelgebiet, weil seine Böden nur wenig oder gar kein Jod enthalten. Das hat zur Folge, dass auch in der Nahrung wenig Jod ist. 

Lange war deshalb eine nahezu flächendeckende Jod-Unterversorgung Grund für viele Folgeerkrankungen. Aufklärung und der Zusatz von Jod zum Beispiel in Speisesalz konnte die mangelnde Jodversorgung in Deutschland in den letzten Jahrzehnten erheblich verbessern.

Was genau ist Jod?

Wie beispielsweise Eisen ist Jod ein essenzieller Stoff. Das bedeutet, dass der menschliche Organismus ihn nicht selbst herstellen kann und ihn deshalb über die Nahrung aufnehmen muss. Ohne Jod würde es Probleme mit vielen Stoffwechselprozessen geben. 

Jod - Schilddrüse

Jod wird gebraucht, um Schilddrüsenhormone zu produzieren. Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ im Hals unterhalb vom Kehlkopf. Hier werden Schilddrüsenhormone produziert. Diese Schilddrüsenhormone werden für das Körperwachstum gebraucht, für den Knochenaufbau und für die Entwicklung des Gehirns. Auch am Energiestoffwechsel ist Jod beteiligt.

Die Schilddrüsenhormone, die zu einem Großteil aus Jod bestehen, heißen Trijodthyronin und Tetrajodthyronin. Bis zu 80 Prozent des aufgenommenen Jods verbraucht der Körper in der Schilddrüse, wo die Steuerung von Wachstum und Zellteilung stattfindet.

Wie funktioniert die Jodaufnahme?

Jede Nahrung landet irgendwann im Darm, so auch Jod. Dort wird es aufgenommen und an das Blut abgegeben, welches es in die Schilddrüse transportiert. Hier wird es in den Schilddrüsenhormonen verbaut. 

Die Schilddrüse fungiert auch als Speicher dieser Hormone, die bei Bedarf von ihr an das Blut abgegeben werden. Sie kann bis zu zehn Milligramm Jod einlagern und bei Bedarf an den Körper ausgeben. Sind die Schilddrüsenhormone im Blut, unterscheidet man zwei Arten von ihnen: die freien und die gebundenen Hormone.

Erstere wirken auf den Stoffwechsel ein, aber sie sind im Vergleich nur in geringem Maße vorhanden, nämlich nur zu einem Prozent. Alle anderen Schilddrüsenhormone im Blut, also die restlichen 99 Prozent sind an Transporteiweiße gebunden.

Wieviel Jod braucht der Körper?

Erwachsene brauchen am Tag ca. 200 Mikrogramm. Kinder und ältere Menschen brauchen etwas weniger, nämlich nur 100 bis 180 Mikrogramm täglich. Es ist nicht ganz so einfach, diese aufzunehmen, da Deutschland einen jodarmen Boden hat. So gelangt wenig dieses Spurenelements in Pflanzen oder in die Nahrungskette. Wo aber viel Jod vorhanden ist, ist das Meer und damit auch in Fischen.

Der Jodbedarf verändert sich im Laufe des Lebens. Folgende Richtwerte gelten für die empfohlene Tagesdosis Jod (Mikrogramm pro Tag):

Säuglinge:

  • 0-3 Monate: 40 µg / Tag
  • 4-11 Monate: 80 µg / Tag

Kinder:

  • 1-3 Jahre: 100 µg / Tag
  • 4-6 Jahre: 120 µg / Tag
  • 7-9 Jahre: 140 µg / Tag
  • 10-12 Jahre: 180 µg / Tag
  • 13-15 Jahre: 200 µg / Tag

Jugendliche und Erwachsene:

  • 15-50 Jahre: 200 µg / Tag
  • ab 51 Jahren: 180 µg / Tag

Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Jodbedarf, da sie in der Schwangerschaft und der Stillzeit auch das Kind mitversorgen müssen. Hier gilt eine empfohlene Tagesdosis von 230 µg / Tag bei Schwangeren und 260 µg / Tag bei Stillenden.

Und natürlich gibt es weitere Umstände, die eine erhöhte Jodaufnahme erfordern. Menschen, die rauchen oder bestimmte Medikamente einnehmen, die zum Beispiel die Bildung von Schilddrüsenhormonen hemmen, haben einen erhöhten Bedarf. Ebenso braucht der Körper mehr Jod, wenn er oft bestimmte Lebensmittel (Kohl, Rettich, Mais, Hirse) aufnimmt. Denn diese können die Jodaufnahme negativ beeinflussen.

Was passiert bei Jod-Mangel?

Mit den Symptomen und Folgen von Jodmangel ist nicht zu spaßen. Es kann zu einer Schilddrüsenunterfunktion oder zu einer Vergrößerung der Schilddrüse kommen, auch Kropf oder Struma genannt. Dabei passiert Folgendes: Um den Jodmangel auszugleichen, fängt die Schilddrüse an, mehr Zellen auszubilden. Das ist eine Maßnahme, um besonders geringe Mengen von Jod effektiv aufzunehmen. 

Es kann allerdings auch zuviel des Guten werden und die Schilddrüse überschreitet ein bestimmtes Größenmaß. Solch ein Kropf sieht nicht nur wenig schön aus, er kann je nach Größe auch Druck auf die Speise- oder Luftröhre ausüben, was zu Schluckbeschwerden, Atemnot oder Beklemmungsgefühlen führen kann.

Bei Kindern ist eine schwere körperliche und geistige Unterentwicklung als Folge von Jodmangel möglich. Besonders in der Schwangerschaft und Stillzeit sollten Frauen deshalb auf eine gute Jodversorgung achten.

Jodmangel entsteht hauptsächlich, weil zu wenig Jod über die Nahrung aufgenommen wird. Da Deutschland ein jodarmes Land ist, gibt es verschiedene Maßnahmen dagegen. So wird seit der sogenannten Jodsalzverordnung Speisesalz mit Jod versetzt. Auch in der Tierfutterproduktion wird es eingesetzt, damit mehr Jod in die Nahrungskette gelangt. Ursachen für Jodmangel kann auch eine Unterernährung oder Fehlernährung sein.

Jodmangel hat häufig in erster Linie Auswirkungen auf die Schilddrüse. Die Symptome und Auswirkungen können je nach Alter unterschiedlich sein.

Bei der Entwicklung während der Schwangerschaft:

  • geistige Störungen mit Schwerhörigkeit (Endemischer Kretinismus)
  • Wachstumsdefizite
  • angeborener Kropf
  • Missbildungen
  • Fehlgeburten
  • Totgeburten

Bei Neugeborenen und Kleinkindern:

  • Störung der Gehirnentwicklung
  • Wachstumsstörungen
  • Störungen der geistigen Entwicklung
  • Hörprobleme
  • Atemnotsyndrom
  • mangelhafte Knochenreifung

Während der Pubertät:

  • Kropfbildung
  • Hirnentwicklungsstörungen
  • Lernschwierigkeiten
  • Gedächtnisprobleme
  • erhöhtes Arterioskleroserisiko
  • Veränderungen in der Struktur der Schilddrüse

Bei Erwachsenen:

  • Unfruchtbarkeit
  • Struma (Kropfbildung)
  • Schilddrüsenunterfunktion (auch Hypothyreose) mit typischen Anzeichen wie:
  • Müdigkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Schlafstörungen
  • Kälteempfindlichkeit
  • Angstgefühle
  • Depressionen
  • Schluck- und Atembeschwerden
  • raue und heisere Stimme, verwaschene Aussprache
  • Verdauungsprobleme, Verstopfung
  • hohe Infektanfälligkeit
  • trockene Haut, Blässe
  • Zunahme des Halsumfangs
  • erhöhte Cholesterinwerte
  • Schilddrüsenüberfunktion (auch Hyperthyreose) mit typischen Anzeichen wie:
  • Gewichtsverlust
  • verstärktes Hungergefühl
  • Durchfall
  • Nervosität
  • Haarausfall
  • Schweissausbrüche
  • Herzklopfen
  • Wärmeempfindlichkeit
  • verminderte Temperaturtoleranz
  • starke Gewichtsschwankungen
  • verminderter Appetit
  • verlangsamte Herzfrequenz
  • Wassereinlagerungen im Gewebe

Bei Kindern und Jugendlichen ist das Risiko einer verzögerten geistigen Entwicklung hoch. Bei Neugeborenen erhöht sich die Sterblichkeitsrate, sie können eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion haben, Taubheit in den unteren Frequenzbereichen und Entwicklungsverzögerungen. Bei Schwangeren kann es außerdem zu Fehlgeburten kommen und äußert selten zu Kretinismus. Das ist eine Minderentwicklung des Kindes, welche geistige Schäden, Kleinwuchs, Taubstummheit und Schielen mit sich bringt.

Was passiert bei einer Jodüberdosierung (auch Jodexzess)?

Auf natürlichem Wege ist eine Überdosierung von Jod schwierig zu erreichen. Denn es ist, wie schon erwähnt, in Lebensmitteln nicht übermäßig vorhanden. Allerdings kann eine Überdosierung durch eine längere Einnahme von zu vielen Jodpräparaten zu einem Überschuss führen. Das passiert ab einer langen Einnahme von mehr als 500 Mikrogramm täglich. 

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat dies als tägliche Aufnahmeobergrenze festgesetzt. Generell sollten Präparate, wie Jodtabletten, nicht ohne ärztliche Absprache und Aufsicht eingenommen werden. Bevor man also Jodtabletten kauft, sollte eine Untersuchung beim Arzt erfolgen, ob dies überhaupt notwendig ist.

Folgende Symptome und Erkrankungen können bei einem Jodüberschuss auftreten:

  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • Kopfschmerzen
  • Bindehautentzündungen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Brennen in Mund und Rachen
  • Jod-Akne
  • Morbus Basedow (auch Basedowsche Krankheit, Autoimmunerkrankung der Schilddrüse)
  • Hashimoto-Thyreoiditis (Autoimmunerkrankung mit chronischer Entzündung der Schilddrüse)
  • Wolff-Chaikoff-Effekt (Blockade der Jodaufnahme in der Schilddrüse)
  • Hautausschläge und andere Überempfindlichkeitsreaktionen

Menschen, die an einer Schilddrüsenüberfunktion erkrankt sind, sollten besonders auf ihre Jodaufnahme achten. Auch bei einer Jodallergie ist Vorsicht geboten. Bei radiologischen Untersuchungen kann jodhaltiges Kontrastmittel eingesetzt werden, dies ist besonders in diesen Fällen unbedingt genau abzuwägen.

Diagnose

Die Schilddrüse nimmt ca. 40 Prozent des Jods, welches durch die Nahrung aufgenommen wurde, über das Blut auf. Der Rest kommt weg, wird also über die Nieren durch den Urin ausgeschieden. Anhand des Jodwertes im Urin lässt sich also ein Jodmangel oder Jodüberschuss feststellen.

Zusätzlich versucht der Arzt über Gespräche Beschwerden oder Veränderungen zu erfragen. Außerdem erkundigt er sich über Essgewohnheiten und Krankheiten sowie der zugehörigen Behandlungen, die einen Jodmangel oder -überschuss ausgelöst haben könnten.

Weiterhin kann eine Untersuchung der Schilddrüse durch Abtasten und Ultraschall erfolgen.

Jodmangel vorbeugen

Fast jedes Lebensmittel ist jodhaltig – nur eben in zu geringem Maß. Es gibt aber einige Lebensmittel, die als große Jodlieferanten gelten. Dazu zählen zum Beispiel Seefische und Meeresfrüchte. Es wird deshalb empfohlen, ein- bis zweimal in der Woche Fisch auf den Speiseplan zu setzen. Getreide und Getreideprodukte sind jodarme Lebensmittel. Milch und Milchprodukte allerdings sind deshalb Jodlieferanten, weil dem Futter von Milchkühen Jod hinzugefügt wird.

Aufgepasst werden muss beim Verzehr von Algen. Diese gelten als große Jodlieferanten, der Gehalt variiert aber stark nach Algenart. Erwischt man nun eine, die einen sehr hohen Jodgehalt hat, kann es schnell zu einer Jodüberdosierung kommen. Wer seinen täglichen Jodbedarf über den Verzehr von Algen ausgleichen möchte, sollte sich vorher gut informieren!

Die Jod-Lüge - Essen wir zu viel Jod ohne es zu merken?

Die verordnete Jodierung von Speisesalz und Tierfutter hat in Deutschland nicht nur Befürworter. Es wird kritisiert, dass viele Erkrankungen auf Jodunverträglichkeit und Überjodierung der Nahrung zurückgeführt werden können. Bemängelt wird eine ungenügende Aufklärung über die Gefahren eines Jodüberschusses. So sei es schwierig, Krankheiten wie Morbus Basedow zu behandeln, da die Behandlung eine jodarme Ernährung voraussetzt. Dies wiederum sei nahezu unmöglich, da die meisten Nahrungsmittel durch die Jodierungsverordnung mit Jod angereichert sind.

Die Diskussion um die Jodversorgung ist eine kontroverse. Dem befürchteten Risiko einer Überversorgung werden geltende Höchstmengen an zugeführtem Jod entgegengesetzt, die dieses Risiko ausschließen sollen.

Aus diesem Grund muss der Konsum von Jod immer differenziert und individuell betrachtet werden. Das Buch "Die Jod-Lüge" behandelt die prophylaktische Behandlung der Bevölkerung mit Jod aus einem kritischen Winkel und kann daher als Lektüre für all Jene empfohlen werden, die sich intensiver mit dem Thema befassen möchten. 

Tabelle jodhaltiger Lebensmittel

Fleisch & Geflügel

NahrungsquelleJodgehalt (µg/100g)
Rindfleisch6,8
Schweinefleisch5,2
Kalbsfleisch2,8


Fisch

NahrungsquelleJodgehalt (µg/100g)
Schellfisch417
Seelachs263
Scholle192
Brathering131
Miesmuscheln130
Kabeljau120
Thunfisch50


Ei, Milchprodukte

NahrungsquelleJodgehalt (µg/100g)
Ei64
Kondesmilch6,7
Kuhmilch3,3


Pilze, Gemüse & Salat

NahrungsquelleJodgehalt (µg/100g)
Bohnen, grün (getrocknet)290
Feldsalat62
Spinat20
Champignons18
Brokkoli15
Möhren15
Grünkohl12
Radischen8


Nüsse & Kerne

NahrungsquelleJodgehalt (µg/100g)
Erdnüsse13


Getreideprodukte

NahrungsquelleJodgehalt (µg/100g)
Roggenbrot10
Haferflocken6
Weißbrot5,8

© Yevgen Romanenko / 123RF

About the author

Sebastian Schäffer

Sebastian ist Chefredakteur von HealthHacks.de, studierter Informationswissenschaftler und passionierter Gesundheitsfreak. Seit Jahren beschäftigt er sich mit Themen rund um gesunde Ernährung, Sport und "Habit Building" - immer mit dem Fokus auf eine alltagstaugliche Umsetzung.

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