Kartoffeln und die Paleo Diät – Passt das zusammen?

Wenn Sie die Rezepte von Paleo Kochbüchern und andere Informationsquellen über die Steinzeiternährung durchstöbert haben, ist Ihnen sicherlich aufgefallen, dass es vor allem bezüglich der Kartoffel widersprüchliche Meinungen gibt.

Die geliebte Knolle, von der allein in Deutschland jeder jährlich 57 Kilo verspeist, soll laut einigen Paleo Spezialisten von Ihrem Speiseplan gestrichen werden, andere Anhänger der Steinzeitdiät behaupten, sie hätte keinerlei oder nur geringe negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Wir möchten hier nun ein wenig Licht ins Dunkel bringen und Ihnen erklären, was es mit der kontroversen Diskussion auf sich hat.

Die Argumente der Kartoffel Gegner.

Schon in den frühen achtziger Jahren fand Dr. David Jenkins heraus, dass Kartoffeln den Blutzuckerspiegel, und dabei auch die Insulinausschüttung, in hohem Maße ansteigen lassen und ihn dann wieder drastisch senken. Dabei fällt der Blutzuckerspiegel sogar unter sein vorheriges Level, was dem Körper seine Energie raubt.

Da Kartoffeln zu 21% aus Stärke bestehen , welche ein pflanzlicher Mehrfachzucker ist, haben sie die gleichen Auswirkungen, als würde man eine Mahlzeit aus Schokoriegeln und Fruchtgummi zubereiten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass man sich kurze Zeit nach ihrem Verzehr körperlich schlecht und energielos fühlt.

Paleo Diät & Kartoffeln

Wenn der Körper dieses Prozedere immer wieder durchmachen muss, sind eine Insulinresistenz und somit auch Stoffwechselerkrankungen vorprogrammiert. Diabetes Typ 2, Übergewicht und Entzündungen des Körpers sind nur einige der Folgeschäden einer solchen Ernährung.

Zudem wird die Kartoffel zumeist nicht im Originalzustand gegessen, sondern als industriell verarbeitetes Produkt, zum Beispiel in Form von Pommes oder Chips. Diese Lebensmittel werden bei ihrer Produktion zusätzlich durch Salz, pflanzliche Öle, Milcherzeugnisse, Zucker und Transfette angereichert und verschlimmern die gesundheitlichen Probleme damit um ein Weiteres.

Nicht zuletzt wünschen sich viele Menschen auch einen Gewichtsverlust durch eine Paleo-Diät. Gerade dabei kann ihnen die Kartoffel jedoch Steine in den Weg legen. Wie bereits erwähnt, enthält die Kartoffel jede Menge Stärke, die im Grunde ein Kohlenhydrat ist. Große Mengen an Kohlenhydraten, welche den Körper mit Energie und der lebensnotwendigen Glucose versorgen sollen, führen zu einem erhöhten Insulinspiegel, der wiederum für eine hohe Fettproduktion sorgt.

Wer über 150g Kohlenhydrate am Tag aufnimmt, läuft Gefahr an Übergewicht und dessen Folgeschäden zu leiden. 50g-100g sind der optimale Wert für einen Durchschnittsmenschen, sollten Sie jedoch abnehmen wollen, empfiehlt es sich in einem Bereich von 0g-50g Kohlenhydrate täglich zu bleiben. Dies sollte jedoch immer in Relation zu der persönlichen körperlichen Aktivität gesehen werden. Ein Sportler verwerten mehr Kohlenhydrate als inaktive Menschen und können daher auch getrost mehr von ihnen zu sich nehmen.

Ein weiterer Kritikpunkt an der Kartoffel sind die in ihr enthaltenen Glykoalkaloide, die auch in anderen Nachtschattengewächsen wie Auberginen oder Paprika zu finden sind. Diese giftigen chemischen Stoffe schützen die Pflanzen vor Pilzbefall und Insektenfraß. Bei einer Intoleranz gegenüber diesem Stoff können Schäden an der Darmwand entstehen, welche weitere Komplikationen mit sich bringen.

"Die in Kartoffeln enthaltenen Stoffe können bestehende Autoimmunerkrankungen und Gelenkbeschwerden verstärken."

Auch bereits vorhandene Autoimmunerkrankungen und Gelenkbeschwerden können durch Glykoalkaloide verschlimmert werden. Geraten sie in den Blutkreislauf greifen sie sogar die Zellen der roten Blutkörper an. Es wird berichtet, dass mehr als 2000 Menschen schon von Vergiftungen durch die Kartoffel betroffen waren, wovon 30 sogar tödlich endeten.

Der Richtwert für den Gehalt von den giftigen α-Chaconinen and α-Solaninen aus der Gruppe der Glykoalkaloide in Kartoffelprodukten wurden vor mehr als 70 Jahren auf 200mg/Kilo gesetzt, wobei die moderne Forschung eher einen Gehalt von 60-70mg/Kilo vorschlägt.

Schaut man sich nun den Gehalt in den gängigen Produkten an, fällt sehr schnell auf, dass viele über diesem Richtwert liegen. So können gebackene Kartoffeln zwischen 99mg und 113mg/Kilo und Chips zwischen 23mg und 180mg/Kilo enthalten. Experten vermuten, dass 3-6mg pro Kilogramm Körpergewicht von diesen Soffen tödlich sein können.

Zusammengefasst sollte man, möchte man den Kartoffel Gegnern glauben, auf die Kartoffel verzichten, da sie durch den hohen Stärkeanteil zu einem erhöhten Insulinspiegel führt, welcher nicht nur Diabetes und Stoffwechselerkrankungen hervorruft, sondern auch das Übergewicht fördert, sie während ihrer starken Verarbeitung in der Lebensmittelindustrie vielerlei Zusatzstoffe zugefügt bekommt und zudem auch noch giftige Glykoalkaloide beinhaltet. Damit setzen die Gegner für ihre Überzeugung auf starke und gar Angst einflößende Argumenten, die Ihnen als Konsument die Kartoffel madig machen sollen.

Die positiven Effekte von Kartoffeln

Kartoffeln sind an sich ein vielseitiges Gewächs, dass durch seine Stärke nicht nur bindend wirkt, sondern auch keinen wirklichen Eigengeschmack entwickelt. Sie können also jedem Geschmack angepasst und auf vielfältige Weise eingesetzt werden. Außerdem enthalten sie eine Großzahl wertvoller Nährstoffe wie Aminosäuren und Vitamin C, welche die Kartoffel wahrscheinlich zu einem weit verbreiteten Grundnahrungsmittel befördert haben.

Der Vitamin-C-Gehalt ist in der Kartoffel sogar doppelt so hoch wie bei Äpfeln. Auch enthalten sie Kalium, Kalzium, D-Vitamine und hochwertige Eiweiße. Ganz davon abgesehen sind sie relativ kalorienarm, lassen sie sich leicht anbauen und ernten, ermöglichen eine kostengünstige Ernährung und liefern aktiven Menschen die wichtigen Kohlenhydrate. Damit wären wir bei einem Argument der Gegenseite.

Bekannt ist, dass ein übermäßiger Konsum von Kohlenhydraten dem Übergewicht förderlich ist. Gegen einen dem eigenen Körper und der Lebenssituation angepassten Konsum ist jedoch nichts einzuwenden. Sportler, körperlich hart arbeitende oder sehr aktive Menschen brauchen Kohlenhydrate, um die benötige Energie zu erhalten.

"Der Konsum von Kartoffeln während einer Diät sollte reduziert werden."

Da Kohlenhydrate oft mit Toxinen verpackt sind, werden die in den Kartoffeln befindlichen Kohlenhydrate fälschlicherweise als negativ betrachtet. Kartoffeln enthalten wenig Phytinsäure, die Eisen, Kalzium, Phosphor und Zink unzugänglich macht. Daher ist auch diese Säure kein Argument gegen die Kartoffel. Einzig wenn Sie abnehmen möchten, sollten Sie den Kohlenhydrat- und somit auch Kartoffelkonsum einschränken.

Zu guter Letzt wollen wir auch das Argument der gefährlichen Giftstoffe in Kartoffeln untersuchen. Die Glykoalkaloide, die dem Menschen gefährlich werden können, befinden sich zumeist in der Kartoffelschale, welche leicht entfernt werden kann. Dadurch ist eine Vergiftung durch diese Stoffe relativ unwahrscheinlich. Auch wurden während der letzten Jahrzehnte bei der Kultivierung dieser Knolle die Glykoalkaloide immer weiter gesenkt, sodass sich mittlerweile nur noch sehr wenige dieser Toxine in Kartoffeln befinden.

Heutzutage befinden sich circa 7mg/100g des giftigen Solanins in der Kartoffelschale und die Menge im Kartoffelkörper liegt noch wesentlich darunter, da bis zu 80% in der Schale liegen. Es müssten dementsprechend ungefähr 2,8 Kilogramm roher, ungeschälter Kartoffeln verzehrt werden, damit erste Vergiftungserscheinungen auftreten. 

Neue Kartoffelsorten können somit aufgrund ihres Solaningehalts nicht als gesundheitsgefährdend eingestuft werden. Wenn Sie nun noch darauf achten, Ihre Kartoffeln dunkel zu lagern, damit sich das Solanin nicht vermehrt und die grünen Stellen, die sich mit der Zeit durch die Solaninanreicherung bemerkbar machen, großflächig wegschneiden, kann Ihnen nichts passieren.

"Der Verzehr von Kartoffeln kann vielseitig, nährstoffreich und unbedenklich sein."

Die Verfechter der Kartoffel liefern so nicht nur die entsprechenden Antworten auf die Argumente der Gegenseite, sondern zeigen auch auf, wie vielseitig, nährstoffreich und unbedenklich der Verzehr sein kann. Richtig gelagert, zubereitet und in angemessenen Maß spricht Ihren beliebten Kartoffelgerichten also nichts entgegen.

Fazit

Die Kartoffel ist nicht gleich als Knolle allen Übels zu verteufeln. Viele Argumente der Kartoffel Gegner sind widerlegbar und beziehen sich häufig nur auf einen kleinen Teil der Erdbevölkerung, zum Beispiel körperlich vorbelastete und kranke sowie übergewichtige Menschen, andere Argumente haben durchaus ihre Berechtigung, aber auch dort sollte man immer die Relation im Auge behalten.

Zu viele Kohlenhydrate sind nachweislich nicht gut für den Körper und können zu Übergewicht führen, sowie zu hoher Zuckerkonsum für Diabetes und anderen Zivilisationskrankheiten verantwortlich ist. Jedoch macht das Maß den Unterschied. Behalten Sie ihr individuelles Ziel und Ihre persönlichen Gründe für eine Paleo Diät im Auge und richten Sie sie danach aus. Entscheiden Sie selbst, ob Kartoffeln auf Ihrem eigenen Speiseplan bestehen bleiben darf oder Sie darauf verzichten möchten.

Gehören Kartoffeln auf Ihre persönlichen Paleo-Einkaufsliste? Lassen Sie es uns in den Kommentaren weiter unten wissen!

Bildquellen:

© stocksnapper / 123RF

About the author

Sebastian Schäffer

Sebastian ist Chefredakteur von HealthHacks.de, studierter Informationswissenschaftler und passionierter Gesundheitsfreak. Seit Jahren beschäftigt er sich mit Themen rund um gesunde Ernährung, Sport und "Habit Building" - immer mit dem Fokus auf eine alltagstaugliche Umsetzung.

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